
TOD DER BÄRIN CANELLEGestern ist die Bärin Cannelle durch einen
Jäger während einer Wildschwintreibjagd in Urdos (Aspetal) erschossen worden.
Die Bärin sah sich mit ihrem Jungtier in
einem an eine Zone mit Felsabstürzen angrenzenden Refugium eingekesselt, wo sie sich
bereits seit mehreren Tagen aufgehalten hatte. Einer der Jäger hat sie mit mehreren
Schüssen aus wenigen Metern Entfernung getötet.
Bereits heute hat die Polizei den Vorfall
mit den Jägern auf Anordnung des Staatsanwaltes rekonstruiert, der eine strafrechtliche
Untersuchung eingeleitet hat, um herauszufinden, ob es sich um eine vorsätzliche Tat oder
um einen "Unfall" gehandelt hat.
Fest steht jedenfalls, dass die Jäger
vor dem Beginn der Jagd ausdrücklich auf die Anwesenheit der Bärin mit ihrem Jungtier
hingewiesen worden waren, denn am Sonnabend hatte ich persönlich frische Losung und
Schlafstellen der beiden Bären in dieser Zone entdeckt und unter Befolgung der
Vereinbarung zwischen der Mancomunidad de la Institución patrimonial, dem
Braunbär-Netzwerk und dem Jagdverband wurde der Vorsitzende des Jagdvereins von Urdos am
Sonntag davon unterrichtet, um zu verhindern, dass dort gejagt würde. Eine Gruppe von 6
Jägern ist trotz allem in diesem Sektor auf die Jagd gegangen und hat so den Tod der
letzten bodenständigen Bärin der Pyrenäen verursacht.
Dies bedeutet eine regelrechte
ökologische Katastrophe, denn es handelte sich hier um die letzte bekannte
pyrenäische Bärin, obendrein mit einem in diesem Jahr geborenen Bärenkind.
Es ist nicht das erstemal, dass die
Jäger dieser Region eine Bärin töten. Die zweitletzte bekannte bodenständige
pyrenäische Bärin ist 1994 ebenfalls durch einen Wildschweinjäger im Aspetal erschossen
worden. In den Zentralpyrenäen wurde die aus Slowenien stammende Bärin Mellba unter
Begleitung ihrer beiden Bärenkinder 1997 ebenfalls von einem Jäger erschossen. Der
bodenständige Bär Papillon, der letzten Sommer im Alter von 29 Jahren an Altersschwäche
gestorben ist, hatte ebenfalls rund 50 Bleikugeln im Körper, deren Folgen er allerdings
überlebt hat.
Dies zeigt, das die in gemeinsamen
Nahrungsrevieren von Bär und Wildschwein durchgeführten Wildschweintreibjagden eine
Hauptursache für den Rückgang der Bären in den Pyrenäen darstellen. Es ist daher
dringend notwendig, Ruhebereiche ohne Treibjagden in den zur Herbstzeit kritischsten Zonen
für den Bären zu sichern, um ihm vor dem Winterschlaf vor und der Niederkunft der
Bärinnen eine angemessene Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.
Die FIEP-Arbeitsgruppe Pyrenäische
Bären hat die französischen Behörden um eine zügige Abwicklung aller Untersuchungen
gebeten, um die Verantwortlichen zu bestrafen, aber unabhängig davon die moralische
Verantwortung dieser Jäger unterstrichen, die sich über ein seitens ihres Vereins und
ihres Verbandes getroffenes Abkommen hinweggesetzt haben.
Der Kadaver der Bärin wurde in die
Veterinärschule von Toulouse überführt, dort wird morgen eine Autopsie vorgenommen.
Bei einem Treffen in der Institución patrimonial wurde
den Behörden heute vorgeschlagen, dem Bärenkind das Überleben in seinem natürlichen
Lebensraum zu ermöglichen. Tatsächlich kann es - 10 Monate alt überleben (wie
1997 die Jungen von Mellba) unter der Voraussetzung, dass es in Ruhe gelassen wird und in
diesem Herbst reichlich Nahrung (Bucheckern) findet.
Daher wird die Jagd und die Anwesenheit von Hunden in dem
Gebiet untersagt werden, wo es während der letzten Wochen mit seiner Mutter gelebt hat,
ergänzt wird diese Massnahme nötigenfalls durch vegetarische Zusatznahrung sowie durch
Überwachung des Gebietes, um Neugierige von Störungen abzuhalten.
Gerardo Caussimont (FIEP)
BP 508 64010 Pau (Francia)
Tel-Fax 00 33 5 59349019
www.fapas.es/de
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