FAPAS
Braunbären in Spanien und andere bedrohte Tierarten
fiep2. November 2004
FIEP - FONDS D’INTERVENTION ECO PASTORAL
Groupe Ours Pyrénées
cannelle
TOD DER BÄRIN CANELLE

Gestern ist die Bärin Cannelle durch einen Jäger während einer Wildschwintreibjagd in Urdos (Aspetal) erschossen worden.

Die Bärin sah sich mit ihrem Jungtier in einem an eine Zone mit Felsabstürzen angrenzenden Refugium eingekesselt, wo sie sich bereits seit mehreren Tagen aufgehalten hatte. Einer der Jäger hat sie mit mehreren Schüssen aus wenigen Metern Entfernung getötet.

Bereits heute hat die Polizei den Vorfall mit den Jägern auf Anordnung des Staatsanwaltes rekonstruiert, der eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet hat, um herauszufinden, ob es sich um eine vorsätzliche Tat oder um einen "Unfall" gehandelt hat.

Fest steht jedenfalls, dass die Jäger vor dem Beginn der Jagd ausdrücklich auf die Anwesenheit der Bärin mit ihrem Jungtier hingewiesen worden waren, denn am Sonnabend hatte ich persönlich frische Losung und Schlafstellen der beiden Bären in dieser Zone entdeckt und unter Befolgung der Vereinbarung zwischen der Mancomunidad de la Institución patrimonial, dem Braunbär-Netzwerk und dem Jagdverband wurde der Vorsitzende des Jagdvereins von Urdos am Sonntag davon unterrichtet, um zu verhindern, dass dort gejagt würde. Eine Gruppe von 6 Jägern ist trotz allem in diesem Sektor auf die Jagd gegangen und hat so den Tod der letzten bodenständigen Bärin der Pyrenäen verursacht.

Dies bedeutet eine regelrechte ökologische Katastrophe, denn es handelte sich hier um die letzte bekannte pyrenäische Bärin, obendrein mit einem in diesem Jahr geborenen Bärenkind.

Es ist nicht das erstemal, dass die Jäger dieser Region eine Bärin töten. Die zweitletzte bekannte bodenständige pyrenäische Bärin ist 1994 ebenfalls durch einen Wildschweinjäger im Aspetal erschossen worden. In den Zentralpyrenäen wurde die aus Slowenien stammende Bärin Mellba unter Begleitung ihrer beiden Bärenkinder 1997 ebenfalls von einem Jäger erschossen. Der bodenständige Bär Papillon, der letzten Sommer im Alter von 29 Jahren an Altersschwäche gestorben ist, hatte ebenfalls rund 50 Bleikugeln im Körper, deren Folgen er allerdings überlebt hat.

Dies zeigt, das die in gemeinsamen Nahrungsrevieren von Bär und Wildschwein durchgeführten Wildschweintreibjagden eine Hauptursache für den Rückgang der Bären in den Pyrenäen darstellen. Es ist daher dringend notwendig, Ruhebereiche ohne Treibjagden in den zur Herbstzeit kritischsten Zonen für den Bären zu sichern, um ihm vor dem Winterschlaf vor und der Niederkunft der Bärinnen eine angemessene Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.

Die FIEP-Arbeitsgruppe Pyrenäische Bären hat die französischen Behörden um eine zügige Abwicklung aller Untersuchungen gebeten, um die Verantwortlichen zu bestrafen, aber unabhängig davon die moralische Verantwortung dieser Jäger unterstrichen, die sich über ein seitens ihres Vereins und ihres Verbandes getroffenes Abkommen hinweggesetzt haben.

Der Kadaver der Bärin wurde in die Veterinärschule von Toulouse überführt, dort wird morgen eine Autopsie vorgenommen.

Bei einem Treffen in der Institución patrimonial wurde den Behörden heute vorgeschlagen, dem Bärenkind das Überleben in seinem natürlichen Lebensraum zu ermöglichen. Tatsächlich kann es - 10 Monate alt – überleben (wie 1997 die Jungen von Mellba) unter der Voraussetzung, dass es in Ruhe gelassen wird und in diesem Herbst reichlich Nahrung (Bucheckern) findet.

Daher wird die Jagd und die Anwesenheit von Hunden in dem Gebiet untersagt werden, wo es während der letzten Wochen mit seiner Mutter gelebt hat, ergänzt wird diese Massnahme nötigenfalls durch vegetarische Zusatznahrung sowie durch Überwachung des Gebietes, um Neugierige von Störungen abzuhalten.

Gerardo Caussimont (FIEP)
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