Programm zur Erhaltung von aasfressenden Vögeln
1.Einführung
L
Die Kampagne zum Schutz der Populationen von aasfressenden Arten konzentrierte sich hauptsächlich auf den Gänsegeier (Gyps fulvus), eine Art, die in Asturien akut vom Aussterben bedroht war.

1982 gab es nur noch 9 Paare des Gänsegeiers in den Picos de Europa. Nahrungsmangel, Einsatz von Giften sowie fehlendes Bewusstsein in der Bevölkerung waren kurz davor, die Population zu vernichten, so wie es bereits vor Jahren mit dem Bartgeier (Gypaetus Barbatus) geschehen war. Um dies abzuwenden, traf der FAPAS drei grundlegende Massnahmen:

a)Einrichtung von Futterplätzen
b)Stoppen des Gifteinsatzes
c)Kampagne zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung

  Tatsächlich hätten wir uns nicht träumen lassen, auf wieviel Solidarität wir stossen würden ,als wir eines Tages auf die Idee kamen, einen Aufruf zur Unterstützung für die Erhaltung der Geier in Asturien in der Zeitschrift Quercus zu veröffentlichen. Im Juli 1983 erhielten wir fast Tausend Zuschriften für die Unterstützung des Fonds, und so starteten wir alle geplanten Vorhaben. Zur Wiederherstellung der Population der Geier in den Picos de Europa war eine umfangreiche Kampagne unter Mitwirkung von mehreren Spezialisten notwendig, die für den FAPAS Ausgaben in Höhe von fast 30 Millionen Peseten bedeutete. Während des Jahres 1982 musste als erster Schritt eine Untersuchung zur exakten Erfassung der noch vorhandenen Individuen durchgeführt werden.

 
2.Bedeutung der aasfressenden Vögel innerhalb des Bergökosystems

Die Massnahmen zur Erhaltung der aasfressenden Vogelpopulationen in verschiedenen Gegenden der Iberischen Halbinsel hatten sich bislang auf reinen Artenschutz beschränkt, fast immer ohne Berücksichtigung der mehr oder weniger komplexen Wechselbeziehungen dieser Vögel mit ihrem natürlichen Umfeld und insbesondere mit dem Einfluss der traditionellen Landwirtschaft, die insofern noch komplizierter sind, als diese in der grossen Mehrzahl der Bergregionen ständigem Wechsel unterlag und unterliegt.

Unter diesem Gesichtspunkt wollen wir kurz die Erfahrungen darstellen, die wir in Asturien und Kantabrien mit dem Gänsegeier gemacht haben, der als Restpopulation das Bergmassiv der Picos de Europa und einige angrenzende Bergzüge besiedelt. Etwa vom Beginn dieses Jahrhunderts an gab es Veränderungen in der Bergviehzucht, hauptsächlich mit dem Ziel, den Gesundheitszustand des Viehbestandes zu verbessern, der die Haupteinnahmequelle für die Existenzgrundlage der Familien in den Bergdörfern bildet.

Ausser der Veränderung im sanitären Bereich gab es im Laufe der Jahre nur wenig Wechsel in der traditionellen Arbeitsweise. Nicht dagegen bei den Rinderrassen, die die Herden bilden und wo nach und nach die einheimischen durch standortfremde, scheinbar gewinnbringendere aber in jedem Fall schlechter an den Standort angepasste Rassen ersetzt worden sind. Vielleicht besteht ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Auftreten einiger sehr lokal begrenzter Rinderkrankheiten und der herkömmlichen Entsorgung verendeter Tiere, die die aasfressenden Vögel als natürlichen Faktor zur Beseitigung von Kadavern nicht miteinbezieht.

Diese Vorgehensweise hat im Laufe der Zeit dazu geführt, dass die Nahrungsmöglichkeiten der Geier auf verendete Wildtiere beschränkt wurden, während die toten Haustiere in schwer zugänglichen Orten abgelagert wurden.

Der Rückgang einheimischer Rinderrassen hat das Nahrungsangebot für die Geier noch weiter verringert, da infolge der Aufstallung im Winter lange Perioden ohne extensive Viehzucht in den Bergen entstanden sind.

Besonders schwerwiegend ist hierbei, dass gerade zu dieser Zeit die Brutperiode der Geier beginnt, und zwar mit der Eiablage, wodurch zahlreiche Jungvögel schon in ihren ersten Lebenstagen verhungern..

Die besonderen geomorphologischen Merkmale, welche die Berge der Picos de Europa und die angrenzenden Gebirge wie der Cuera oder El Sueve aufweisen, begünstigen das Auftreten einer grossen Vielfalt von Erdfällen. Höhlen, durch unterirdische Wasseradern gebildete Erdlöcher, Klüfte und unzählige, durch enge Schluchten verlaufende Bäche, Ergebnisse des Wassereinflusses in einem Karstgebiet, bieten den Viehbauern zahlreiche Möglichkeiten, einen Tierkadaver zu entsorgen. Wir konnten beobachten, wie die toten Haustiere systematisch auf völlig unnatürliche Art entsorgt werden, hauptsächlich werden sie in die Erdlöcher geworfen, was möglicherweise die häufigste Vorgehensweise darstellt. Diese Handlungsweise ist zweifellos gerechtfertigt, sie findet ihre Erklärung in einer Sanitätsnorm, die gerade das bewirkt, was durch sie verhindert werden sollte.

Die gültige Gesetzesnorm für den veterinären Bereich verlangt das Vergraben des Tierkadavers unter Zugabe von Kalk oder die Verbrennung, insbesondere im Falle von Ansteckungsgefahr. Im extrem unwegsamen Hochgebirge mit seiner spärlichen Pflanzendecke und steinigem Kalkboden gibt es nur wenig Möglichkeiten, die Gesetzesnorm zu erfüllen, meistens ist es unmöglich. Die einzige brauchbare Alternative für den Viehbauer erlaubt so die dringende und schnelle Entsorgung des toten Tieres im Gebirge.

Angesichts der reichlichen Möglichkeiten, den Kadaver verschwinden zu lassen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass diese Praxis bei den Viehbauern allgemein üblich geworden ist. Damit setzt eine fortschreitende Kontaminierung der grundwasserführenden Erdschicht ein, die vielfältige Probleme für die menschliche Bevölkerung verursacht. Diese Situation hätte natürlich mit Leichtigkeit vermieden werden können, und zwar unter Einhaltung und Erfüllung der Gesetzesnorm, ganz einfach durch Einbeziehung der dort lebenden aasfressenden Vögel, wodurch obendrein deren Fortbestand gesichert würde.

Wenn ein Kadaver in eines der wasserführenden Erdlöcher geworfen wird, beginnt der Verwesungsprozess. Die niedrige Temperatur des unterirdischen Wassers und die dort herrschende Dunkelheit verhindern eine rasche Zersetzung sowie die Nutzung des organischen Materials durch eine Reihe von Tierarten.

Monatelang wird diese Kontaminationsquelle den Grundwasserleiter belasten und die Verzweigung der Wasseradern im Untergrund führt zur Kontamination zahlreicher Quellen.

1983 führte die Stadt Llanes eine allgemeine Untersuchung der Bergquellen durch, um den Grad der Wasserbelastung zu ermitteln. Die Untersuchung konzentrierte sich auf Gebiete ab 900m Höhe an der Nordflanke des Cueragebirges, wo naturfremde Kontaminationsquellen ausgeschlossen werden können.

Die analysierten Proben ergaben 51 Quellpunkte durch organische Substanz belasteten Wassers. Dabei stellte sich der Brauch , die toten Tiere in die wasserführenden Erdlöcher zu werfen als einzig mögliche Ursache für diese Belastung heraus. Im Rahmen derselben Untersuchung wurde auch der Grad der Belastung von 30 Anlagen zur Trinkwassergewinnung von ebensovielen Ortschaften analysiert. Die Ergebnisse ergaben abermals einen Belastungsgrad, der die Nutzung als Trinkwasser ausschloss.

Bei einer anschliessenden medizinischen epidemiologischen Untersuchung durch die dortigen Ärzte kam ans Licht, welche Auswirkungen die Kontaminierung des Wassers auf die örtliche Bevölkerung haben kann. Zur Sommerzeit erkrankten bis zu 70% der Besucher dieses bedeutenden Urlaubsgebietes in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes an einer Darminfektion.

Ein neuer Faktor, mit dem bei der Entwicklung einer Region für den Fremdenverkehr als Einnahmequelle gerechnet werden muss, ist die Verseuchung des Grundwassers durch einen Vorgang in grosser Entfernung vom Ort des Auftretens der Kontaminationsquelle, bedingt durch eine unvernünftige Art und Weise der Anwendung der hygienischen Verordungen sowie das wenig objektive Nichtberücksichtigen des natürlichen Prozesses zur Eliminierung von Tierkadavern im Gebirge durch die Aktivität der Geier.

Auch bei dem Bemühen für einen optimalen Gesundheitszustand der Bergviehbestände taucht ein ähnliches Problem wie bei der Gefährdung des Trinkwassers für den Menschen auf , ein Indiz dafür ist möglicherweise, dass es trotz ständiger sanitärer Bemühungen nicht gelingt, die Übertragungsdynamik bestimmter örtlich begrenzter Viehseuchen in den Griff zu bekommen.

3. Einrichtung künstlicher Futterstellen

Das Anwachsen der Gänsegeierpopulation steht in klarem Zusammenhang mit der Einrichtung künstlicher Futterstellen. Unser erster Schritt war die Suche nach einem geeigneten Ort, um einen Futter- oder Luderplatz einzurichten. Dazu fuhren wir mehrere der unbefestigten Verkehrswege sowohl im Cueragebirge als auch in den Picos de Europa ab. Die Suche nach einem brauchbaren Standort war nicht einfach, denn wenn eine solche Massnahme nicht korrekt durchgeführt wird, kann sich dies sogar negativ auf die Geierpopulation auswirken.

Wir wählten drei Orte aus. Zwei im Cuera (an der Nord- und an der Südflanke) und einen dritten in den Picos de Europa, bereits in der Provinz Kantabrien gelegen. Letzterer war bereits von den Dorfbewohnern als Deponie toter Tiere benutzt worden, allerdings gab es nur noch vereinzelt Vieh, da im Dorf nur noch wenig Menschen leben.

  Als wir dort Futter auslegten, stellten wir fest, dass dieser Luderplatz nur von den Geiern einer kleinen Zone angenommen wurde, so dass ein Teil des ausgelegten Futters verdarb, weil die Nachbarpopulationen auf Distanz blieben. Angesichts dieser Situation beschlossen wir, diesen Futterplatz aufzugeben.

Ein weiterer Standort war die Südflanke des Cueragebirges, mit idealen Eigenschaften, einsam gelegen, und ohne negative Eigenschaften für die Geierkolonien.

Über unbefestigte Verkehrswege gelangte man zu einem aufgegebenem Bergwerk, hier jedoch stiessen wir auf den Widerstand der örtlichen Bevölkerung. Wir gerieten unter schweren Beschuss, Anzeigen, Gerichtsverhandlung, Anwälte usw. .... wir beschlossen, die Sache einstweilen ruhen zu lassen, in der Hoffnung, dass die Dörfler sich mit der Zeit beruhigten. Diese hatten nichts gegen die Geier, um so mehr aber gegen die Tierkadaver.

  Schliesslich konzentrierten wir uns auf den endgültigen Standort auf dem "Picu los Resquilones", ebenfalls im Cueragebirge gelegen. Dort befindet sich eine fast 90 Meter tiefe Schlucht, in die häufig tote Tiere von den Bewohnern umliegender Dörfer geworfen wurden.

  Wir stellten alle erforderlichen Anträge für die Erlaubnis und begannen damit, dort tote Tiere aus den Dörfern auszulegen, die nicht an ansteckenden Krankheiten verendet waren.

Angesichts der Proteste einiger Hirten, die darin ein Gesundheitsrisiko für ihr Vieh sahen, da ihre Tiere sich dem Luderplatz näherten, wurde der Futterplatz mit einer Gesamtfläche von 10.000 qm mit einem Metallgitterzaun eingefriedet, wodurch Ausgaben in Höhe von 70.000 Peseten entstanden.

Nach einem harten Winter mit bis zu eineinhalb Meter Schnee auf dem Futterplatz beginnen immer mehr Geier damit, diese Futterstelle aufzusuchen.

Nach und nach kommen sie immer häufiger zur Nahrungsaufnahme.

Die grösste Individuenzahl wird im Mai erreicht, bis zu 120 Gänsegeier und 14 Schmutzgeier nähren sich gemeinsam an Kadavern von über 1.000 kg Fleisch.

Eine derartige Anzahl von Exemplaren kann nur bedeuten, dass hier sämtliche Geier Asturiens und Kantabriens zusammenkommen, und sehr wahrscheinlich auch einige Jungvögel aus den Geiergebieten im Norden von Burgos, die im Sommer in das Kantabrische Küstengebirge überwechseln, um sich vom Vieh der Transhumanz zu ernähren.

Eine weitere gute Nachricht sind die zehn Geierküken, die 1983 flügge wurden. Tausende Kilos von Fleisch hat der FAPAS ins Gebirge transportiert, wodurch die Fortpflanzung in diesem Jahr gewährleistet werden konnte. Zehn neue Geier sind ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass im Vorjahr nur zwei hochkamen. Weiterhin ist nach vier tot aufgefundenen Geiern des Vorjahres diesesmal nur einer entdeckt worden, demnach wäre zumindest theoretisch der Geierbestand in Asturien 1983 gegenüber dem Vorjahr um 20% angewachsen.

Ein auf die Konstruktion von Anhängern spezialisiertes Unternehmen hat uns Einen massgeschneidert an unsere Bedürfnisse angepasst gebaut, der alle technischen und sanitärischen Anforderungen für seinen Verwendungszweck erfüllt.

Die Finanzierung dieses Transportgerätes für Aasfleisch einschliesslich der Zulassung belief sich auf 185.000 Peseten und wurde durch die gespendeten Förderbeiträge sowie eine Finanzspritze der Kreisverwaltung von Llanes in Höhe von 30.000 Peseten ermöglicht.

Dieser Anhänger war das entscheidende Instrument zur Verbesserung der Arbeit des FAPAS. Nach der Lösung des Transportproblems blieb nur noch die Frage, woher wir ausreichende Mengen an Nahrung beziehen konnten, um den Futterplatz zu unterhalten.

Daraufhin wird eine Kampagne in den Dörfern im Landkreis von Llanes gestartet, in der die Bewohner dazu aufgerufen werden, in Zusammenarbeit mit den Tierärzten tote Tiere zur Verfügung zu stellen.

In einem Viehzuchtgebiet wie diesem liess die Antwort nicht lange auf sich warten, wir bekamen soviel Angebote zum Abholen verendeter Tiere, dass wir zeitweise bremsen mussten, um den Futterplatz nicht zu überladen.

Offengestanden hatten wir, die wir uns diesen Dingen widmen, jedesmal wenn wir ein totes Tier ablehnten das Gefühl, etwas Wertvolles zurückzuweisen. Da dieser Überfluss an Tierkadavern nicht in Asturien genutzt werden konnte, richteten wir unser Augenmerk auf die Lebensräume im Norden von Burgos, und machten uns auf den Weg dorthin.

Wir setzten uns mit dem GEDEB in Verbindung, der sich dem Studium und Schutz der Ökosysteme von Burgos widmet, und dessen Arbeitsweise derjenigen des FAPAS gleicht. Mit seiner Unterstützung begannen wir damit, mehrere Geierkolonien mit Nahrung zu versorgen, deren Populationen in den letzten Jahren mit besorgniserregender Geschwindigkeit abgenommen hatten.

Wir erfüllten alle rechtlichen Auflagen, und am 28. April 1983 verlässt der Anhänger des FAPAS Llanes mit der ersten Ladung Futter in Richtung des Nordens von Burgos. Vor uns lagen 200 Kilometer und mehr als drei Stunden Fahrt. Bei diesem ersten Transport eines toten Tieres nach Burgos ereignete sich ein kurioser Zwischenfall - ein überfahrener Esel auf der Strasse, so teilte uns die Strassenmeisterei mit der Bitte mit, diesen aufzuladen und mitzunehmen - und dort mussten wir gegen die Löwen kämpfen, die ihn auffressen wollten.

Wir kamen uns vor wie mitten in Afrika, denn als wir das Tier aufladen wollten, erschien ein Zirkusdirektor, der sich nicht davon abbringen lassen wollte, das Maultier als Futter für seine Löwen mitzunehmen. Es gab ein Hin und Her.... und am Ende siegten die Geier. Wir luden besagtes Maultier auf und auf ging's nach Burgos!

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Später dann wurde der Transport von Tierkadavern mit einem neuen allradgetriebenen LKW durchgeführt, den wir in Erinnerung an den im palentinischen Dörfchen Brañosera verendeten Bären auf den Namen "El Rubio" tauften, da Jeep und Anhänger zu klein wurden und vollständig verschlissen waren.

Zu jener Zeit hatte die Durchführung des Programmes zur Erhaltung der aasfressenden Vögel etwas Künstliches, da die Nahrungsbeschaffung allein vom Einsatz des FAPAS abhing.

Mit diesem neuen Futterpunkt wird ein weiterer Schritt zur Erhaltung der aasfressenden Vogelarten versucht, da die Belieferung dieser Einrichtung mit Futter zum erstenmal nicht direkt vom FAPAS abhängt, sondern den Bewohnern des Landkreises selbst als Entsorgungsmöglichkeit für ihre Tierkadaver dient.

Auf diese Weise haben wir den künstlichen Futterplatz in einen echten traditionellen Luderplatz zur Entsorgung toter Tiere zurückverwandelt.

In dieser Hinsicht ist diese Einrichtung von vitaler Bedeutung für die Absicherung der Populationen aasfressender Tierarten, da hiermit eine vom FAPAS unabhängige Form der Nahrungsbelieferung geschaffen wird, die das Bestehen des Futterpunktes und damit die Ernährung der Aasfresser langfristig absichert, dies bildet einen Baustein für einen korrekten Prozess der Verwertung toter Tiere in vollständiger Anpassung an die Dynamik der Bergökosysteme, an denen wir arbeiten.

4. Der Stopp des Gifteinsatzes:

Bis vor wenigen Jahren war der Einsatz von Giften allgemein üblich und wurde von der Verwaltung (ICONA) zur Ausrottung von Wildtieren, "alimañas" genannt unterstützt, und an Besitzer von Jagdreservaten und an Privatpersonen ausgegeben.

Noch im Jahre 1984 wurde in den Apotheken des Kantabrischen Küstengebirges Strychnin in Mengen von jeweils 4 Gramm frei verkauft. Ein Beispiel: Der ehemalige Besitzer der Apotheke von Panes (Peñamellera Baja), einem Dorf am Rande der Picos de Europa erzählte uns, dass er das Strychnin bei den Laboratorien in Barcelona kiloweise bestellte und ohne weiteres an die Hirten der Region verteilte. Den grössten Absatz hatte eine Apotheke in einem der wichtigsten Bärenlebensräume. Das Produkt gelangte unter dem Namen "Topicida Huarte" zu trauriger Berühmtheit, es wurde in einem Laboratorium in Valencia hergestellt und in ganz Spanien vertrieben.

Der FAPAS ermittelte die Hersteller und das Verteilernetz des Giftes, unternahm dann die rechtlichen Schritte und stellte die offiziellen Anträge, bis das Produkt aus dem Handel genommen wurde.

Dieser relativ einfache Schritt war entscheidend für die Erhaltung nicht nur des Geiers, sondern ebenso des Bären, des Wolfes und allgemein für die Wildtierfauna. Heutzutage gibt es auf dem spanischen Markt kein einziges frei verkäufliches strychninhaltiges Produkt.

Wir glaubten bereits, dass das Gift in diesem Teil Spaniens eliminiert war, da wurde es im Gebirge erneut verwendet. Glücklicherweise kam diesesmal nur ein Geier dabei um, aber es hätten auch mehr sein können. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass derjenige, der das Gift ausgelegt hat, aus den schwerwiegenden Auswirkungen seines Handelns gelernt haben mag, denn ausser dem Geier starben auch drei Kühe, und auf so etwas reagieren die Bauern empfindlich, so lernen sie das Strychnin sozusagen am eigenen Leibe kennen.

Die Gefahr eines Gifteinsatzes im Gebirge wird jedoch nie gebannt werden, denn es existieren weiterhin sehr gefährliche Produkte, immerhin scheint ihr Einsatz auf mehr und mehr Ablehnung zu stossen.

 
5. Kampagne zur Umwelterziehung

Das Einsammeln toter Tiere in den Geierlebensräumen schuf einen engen Kontakt der Mitglieder des FAPAS mit den Bergbewohnern - Viehbauer, Getreidebauer, Tierärzte - und sogar mit den Sicherheitskräften, deren Vorstellungen über die aasfressenden Vogelarten in ihrer Gegend sich änderten, die für sie so nicht nur zu normalen Wildtieren werden, sondern darüberhinaus zu nützlichen Helfern, da die Geier die Berge von Kadavern und Krankheiten säubern.

Dieses Bewusstsein fördert logischerweise die Bereitschaft zur Erhaltung dieser Vogelarten. Wir erkennen so die Notwendigkeit der Erhaltung der Geier nicht nur als einer vom Aussterben bedrohten Tierart, sondern ebenso wegen ihrer wichtigen ökologischen Funktion in der Natur.

Gleichzeitig mit der Futterversorgung wurde ein Programm zur Umwelterziehung gestartet, um in den Menschen das Bewusstsein für die Nützlichkeit dieser Vögel und die sich daraus ergebende Notwendigkeit für ihren Schutz zu entwickeln.

Wir bemühten uns um die Mitarbeit mehrerer Organisationen zur Durchführung der Kampagne. Das Ergebnis dieser Unterstützung war die Veröffentlichung eines Plakates in der gesamten, von den Geiern überflogenen Region, und darüberhinaus die Veröffentlichung zahlreicher Artikel in den örtlichen Medien, zahlreiche Radiointerviews, Gespräche in den Dorfkneipen....

Im Vordergrund stand die Informationsarbeit für die Kinder. Wir erarbeiteten einen Videofilm und besuchten eine Schule nach der anderen, erläuterten den Jugendlichen die Bedeutung der Geier und teilten an alle das Schulheft über die aasfressenden Vogelarten aus, ein kleines Dossier, in dem mit Abbildungen und in einer für Grundschulniveau verständlichen Form das Leben und die Gewohnheiten der Geier erklärt wurden.

Alles das klingt sehr einfach, aber zu dessen Durchführung mussten wir umfangreiche Vorbereitungen treffen. Nötig waren ein Gerät zum Drucken, ein Geländefahrzeug, ein Videogerät, ein Fernseher und sogar ein Generator, da die Dorfschulen keine Stromversorgung hatten. Und natürlich jemand, der sich ganztags diesem Thema widmete. Es war somit alles Andere als einfach und billig war es ebensowenig. All dieses Gerät und die geleistete Arbeit wurden über die Spendenbeiträge der Unterstützer des FAPAS finanziert, ebenso durch den Verkauf von Aufklebern, T-Shirts und Postern, die mit der dazu neu angeschafften, gebraucht gekauften Druckmaschine hergestellt wurden.

1984 wurden mehr als 150 Dorfschulen aufgesucht, ausserdem wurden in Grund- und weiterführenden Schulen in der Hauptstadt Asturiens kostenlos Vorträge durchgeführt.

1985 wollten wir einen Versuch in einer Industriestadt wie Gijón mit fast 300.000 Einwohnern starten, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für ein Naturschutzthema zu testen. Dieses Experiment bestand aus zwei Teilen. Zum Einen eröffneten wir eine Ausstellung in einem uns von der Caja de Ahorros de Asturias zur Verfügung gestellten Raum mit Tierfotografien, Postern und weiterem Infomaterial, sowie einer kontinuierlichen Projektion von Videofilmen. Es waren sieben Tage intensiver Arbeit, da mehr als elftausend Personen die Ausstellung besuchten. Der Andrang war so gross, dass wir entgegen unserer ursprünglichen Absicht, die Ausstellung von sechs bis neun Uhr nachmittags zu öffnen, abgehen und schon ab zwölf Uhr mittags öffnen mussten.

Im Rahmen der Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Landwirtschaftskammer die Kampagne "Setzen Sie einen Baum in Ihr Leben" durchgeführt. Dafür überliess uns die Kammer etwa tausend Eichen-, Kastanien- und Nussbaumsetzlinge, die an Interessierte mit einer Obergrenze von drei Exemplaren pro Person verteilt wurden. Überraschend waren wirklich sowohl der Andrang der Besucher als auch das gezeigte Interesse für die Inhalte der Ausstellung. Erst ganz zu schweigen von den Bäumen: Zeitweise bildeten sich enorme Warteschlangen, um Bäume zu bekommen. In gleicher Weise beantragten wir bei der Organisationsleitung der Kinderausstellung Mercaplana in Gijón einen Standplatz für unsere Ausstellung, um dort einen Reihe von Aktionen zum Thema Natur durchzuführen. Während der Monate Februar und März öffneten wir dort jedes Wochenende unseren Stand, mehr als 3000 Kinder nahmen teil an Malaktionen, Tests zur Tierartenkenntnis und der Herstellung von Nistkästen, die danach in einem Stadtpark angebracht wurden.

Am Stand wurden Hunderte von Aufklebern und Schulheften verteilt, und all das kostete uns 200.000 Peseten, aber durch die hohe Beteiligung der Kinder hat sich der Aufwand ohne Zweifel gelohnt. Es war eine grossartige Arbeit, und das soll kein Selbstlob sein. Der Beweis dafür kam, als wir am 1985 von der Generaldirektion für die Umwelt ausgeschriebenen Wettbewerb teilnahmen und den zweiten Preis der "Actividad Ejemplar" erhielten. So erhielten wir am 5. Juni im Rahmen des Weltumwelttages in Madrid die Medaille und die 100.000 Peseten für den Preis.

6. DIE WIEDEREINBÜRGERUNG DER GEIER

Bedauerlicherweise werden jedes Jahr in Spanien Nester von Geiern geplündert oder aber es tauchen verletzte Alttiere auf. Ihre Wiederherstellung ist stets ein langwieriger Prozess, während dem die Tiere gänzlich den Kontakt mit der Natur und damit ihren natürlichen Wildinstinkt verlieren und zu plumpen Vögeln werden, die ihren Pflegern gierig aus der Hand fressen.

Es ist eine schwierige und langwierige Arbeit, diesen Tieren erneut ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, was nicht immer gelingt.

Unter Ausnutzung der Futterplatzes von Los Resquilones erreichten wir, dass zwei junge Geier die Freiheit zurückgewannen. Zwei Monate Arbeit kostete es uns, die Geier in einem komplizierten Prozess wieder an die natürliche Umwelt anzupassen, gleichzeitig gelang die Eingliederung beider Tiere in eine kleine Gruppe freilebender Geier, die zur Nahrungssuche an den Futterplatz kamen.

Es waren tatsächlich zwei Monate, die vollständig diesen Vögeln gewidmet werden mussten, viele Stunden der Beobachtung und manch ein Schnabelhieb, den wir einstecken mussten. Aber jetzt, wo beide Geier in Freiheit leben, sind alle Mühen vergessen und erscheinen ohne Bedeutung. Die vielleicht grösste Genugtuung für den Naturfreund ist der Anblick eines Tieres, das seine Freiheit zurückgewonnen hat.

Die Freilassung von Exemplaren aus anderen Gebieten in den Picos de Europa war eine wichtige Aufgabe im Rahmen der Förderung aasfressender Vögel. Die Verbesserung des genetischen Materials und die bei den Massnahmen der Freilassungen entwickelte Routine erleichtert uns die Arbeit bei weiteren Aktionen. Anfang 1991 haben hier wir mit Hilfe der Umweltbehörde von Navarra und der Gruppe GURELUR und mit den erforderlichen Anträgen bei der Umweltbehörde Asturiens 14 Exemplare des Gänsegeiers eingeführt, die durch die Gruppe GURELUR wiederhergestellt worden waren.

Diese Tiere waren ein Jahr alt und wurden in Navarra aufgegriffen, einer Region mit einer der grössten Geierpopulationen Spaniens. Die 14 Geier wurden im Tal von La Canal de Ciercos freigelassen, im Landkreis von Peñamellera Baja, einem Gebiet, wo später einmal die Bartgeier wiedereingeführt werden sollen. Diese Freilassungen sollen uns Information über die Ernährung dieser Tiere zusammen mit den übrigen in Freiheit lebenden Geiern liefern. Zwei der 14 freigelassenen Tiere mussten wieder aufgenommen werden, da sie sich nicht in den natürlichen Lebensraum integrierten und stets in den umliegenden Dörfern oder an der Strasse niedergingen. Die übrigen zwölf verhalten sich normal, und die roten Flecken, mit denen sie unter ihren Flügeln markiert worden sind, erlauben uns, sie problemlos wiederzuerkennen.

 
7. San Esteban -erneut- de los Buitres

Im Rahmen des Programmes zur Wiederherstellung der aasfressenden Vogelpopulationen verdient die durchgeführte Wiederherstellung einer Anfang der 60er Jahre erloschenen Geierkolonie besondere Erwähnung, die trotz ihrer jetzigen Isolation vom Hauptteil der Population in den Picos de Europa seinerzeit die letzte westliche Enklave der Geier innerhalb der Ausläufer des Kantabrischen Küstengebirges war. Ihre Wiederbesiedlung ist ein wichtiger Schritt, der die Wiederbesiedlung aller erloschenen Geierkolonien zwischen diesen zwei Punkten fördert. Fast an der Grenze zu Galizien, in den Bergen des asturianischen Westens verborgen, befindet sich ein Dorf, das sich auf den ersten Blick nicht von den umliegenden Dörfern unterscheidet, jedoch: Es ist das Geierdorf , sein Name lautet auf San Esteban de los Buitres (Buitre=Geier). Wie die Bewohner sagen, heisst der Ort so, weil die Geier seit jeher ungestört in den Felswänden in der Nähe des Dorfes lebten.

Der zwangsweise Wechsel von der Bergviehzucht zur Kiefernanpflanzung führte nicht nur zum Abwandern der Bevölkerung, seit zwanzig Jahren gibt es auch keine Geier mehr in San Esteban de los Buitres, der ehemals nordwestlichsten und nahezu unbekannten Geierkolonie Spaniens, wo noch heute die weissen Flecken Zeugnis von der ehemaligen Anwesenheit aasfressender Vogelarten abgeben. In letzter Zeit sind die riesigen Kiefernwälder, die an die Stelle der Viehzucht getreten waren, durch Brände vernichtet worden. Sehr wahrscheinlich wird diese verödete Bergregion erneut in Weideland umgewandelt werden. Damit kann die Viehzucht wiederaufleben und dann ist auch der Moment gekommen, um an eine Rückkehr der Geier zu denken.

WIEDERHERSTELLUNG DER GEIERKOLONIE

Die Bewohner von San Esteban de los Buitres erinnern sich noch wehmütig an die Zeiten, als über dem Dorf die Siluetten dieser nutzbringenden Vögel zu sehen waren, vielleicht als Gesundheitspolizisten, und um deren Funktionieren, ihre Beobachtung und Versorgung mit Tierkadavern sich der Verein XEIRA kümmert.

Die Phase der Stabilisierung wird erreicht, als das Gros der freigelassenen Exemplare die ehemaligen Steilwände wieder annimmt. In etwa 4-8 Jahren kann es zur ersten Fortpflanzung in der Kolonie der noch jungen Geier kommen. In kommenden Jahren wird die Kolonie durch neue Tiere verstärkt werden, ergänzt durch das eine oder andere Alttier, damit sie sich nach und nach auch auf die Nachbargebiete ausdehnen.

TAGEBUCH UND ERGEBNISSE DER WIEDEREINBÜRGERUNG

12. September 1991: 15 Jungtiere des Gänsegeiers werden aus Navarra aus dem Zentrum zur Wiederherstellung des dortigen Vereins GURELUR eingeführt.

Oktober:

Weitere sechs Exemplare folgen. Die mit Fussfesseln fixierten Geier werden durch den Verein XEIRA weiterhin mit Nahrung versorgt und werden täglich kräftiger. Ein Tier geht bei einem Fluchtversuch verloren, der in einem Hochspannungsmast endet. Um weitere Unfälle dieser Art zu verhindern, wird daraufhin das Stromversorgungsunternehmen um Schutz und Isolierung der Strommasten in diesem Bereich gebeten, was auch geschieht. Einer der Geier wird erneut in das Zentrum zur Wiederherstellung überführt, da er zu schwach ist und weiterer Pflege bedarf.

29. November 1991: Ein Mitglied des FAPAS bleibt als ständiger Beobachter vor Ort. Drei Exemplare werden auf eine Bergkuppe in der Nähe der Kolonie gebracht. Dieser Platz ist ideal und täglich werden sie kräftiger.

30. November 1991: In den Felsen werden mehrere der freigelassenen Geier beobachtet: Mögliche Besiedlung. Die anderen zwölf werden freigelassen und weiterhin mit Kälbern und Kaninchen aus der Intensivtierhaltung versorgt.

3. Dezember 1991: Es wird beobachtet, wie 4 Geier landen, um in aller Ruhe gemeinsam mit den noch angebundenen Tieren Nahrung aufzunehmen.

10. Dezember 1991: 5 Exemplare werden in Richtung der Sierra del Pato gesichtet, danach gehen sie auf dem Berg La Bobia nieder, wo sie am 7. und 8. Dezember ein totes Pferd verzehren. Sie beginnen damit, die nahegelegenen Felsen als Ruheplätze und zum Schutz vor der Kälte zu nutzen. Ein Exemplar wird nach seiner Flucht mit einem Stück Kordel und Karabinerhaken an seinen Füssen entdeckt. Ein weiterer Vogel nähert sich den benachbarten Bergkuppen nur wenig, der Verlust mehrerer Federn an beiden Flügeln ist erkennbar. Sowohl das Fliegen als auch das Landen fallen ihm schwer. Möglicherweise geht er zugrunde.

15. Dezember: Der verloren geglaubte Geier wird beim Überfliegen der Gegend um Sampol an der Strasse von San Luis nach Villayón wiederentdeckt.

20. Dezember: Die letzten sechs noch angebundenen Geier werden freigelassen.

21 und 22 Dezember: Die Geier werden bei der Bildung kleiner Gruppen beobachtet. Sie haben das Gebiet voll angenommen.

Aktuelle Situation:

18 Tiere werden weiterhin gesichtet

1 Exemplar ist vermisst

1 Exemplar durch Stromschlag an der Stromleitung umgekommen.

1 krankes Exemplar ist wieder im Pflegezentrum.

INSGESAMT:21 Geier.

 
8. Schlussfolgerungen

Der Abschuss von Gänsegeiern ist zum Glück keine sehr häufige Jagdpraxis gewesen, aber aus Langeweile als Schiessübung durchaus vorgekommen, und abgesehen von jener glorreichen, vom Ministerium für Fremdenverkehr in den 70er Jahren für die Auslandspresse erfundenen Werbung mit dem Slogan "Machen Sie Urlaub in Spanien und geniessen Sie die Jagd auf Adler und Geier".

Die Aufklärungskampagne führte zu der heutigen, deutlich veränderten Situation, abgeschossene oder vergiftete Geier gehören der Vergangenheit an. Die Geier waren niemals Feinde der Viehbauern, denn sie schlagen weder Haus- noch Wildtiere, aber das althergebrachte Denken, alle Greifvögel und besonders die Aasfresser seien schädlich für Jagd und Viehzucht, sowie die finanzielle Unterstützung ihrer Vernichtung von seiten der Behörden haben dazu geführt, dass die Geier vielerorts nicht respektiert wurden.

Es war üblich, sich mit Knüppeln auf die nach der Nahrungsaufnahme schwerfällig abfliegenden Tiere zu stürzen, ebenso die Plünderung ihrer Nester oder der beliebte "Geierschuss".

Eine Veränderung dieser volkstümlichen Einstellung zum Positiven gegenüber dieser Tierart war deshalb notwendig im Sinne einer Aufwertung als einer unverzichtbaren Tierart zur Gewährleistung des ökologischen Gleichgewichtes und einer optimalen sanitären Reinhaltung der Berge.

Heute können wir mit Befriedigung feststellen, dass sich das Image der Geier grundlegend verändert hat. Die Kinder kennen sie genau, und die Hirten sehen in ihnen ihre besten Verbündeten.

Gegenwärtig befinden sich alle Geierkolonien im Randbereich der Picos de Europa, ausgenommen natürlich San Esteban de los Buitres. Sie finden sich hauptsächlich in grossen Flusstälern, wo Kalkfelswände in der Nähe von Strassen oder regelmässig benutzten Wegen besiedelt werden.

Daher befindet sich der grösste Teil des Geierbestandes in dieser Zone (Nordseite der Picos), jedoch sind sie auch häufig woanders im Gebirgsmassiv anzutreffen (im Bereich des Enolsees, beim Umkreisen von Berggipfeln usw.). Sie fliegen auch entlang des gesamten Kantabrischen Küstengebirges.

Der Geier besiedelt somit zwei verschiedene Berglebensräume:

Felsklüfte und Grasland, aus denen sich alle Bergzüge der Region zusammensetzen. Viele dieser Grasländer sind Viehweiden und finden deshalb das Interesse der Geier. Ihr Flug wird durch die zahlreichen Höhenunterschiede des Küstengebirges begünstigt, die vielerorts Aufwind erzeugen.

Im Grunde ist also der Gänsegeier in der gesamten Gebirgsregion vertreten, und zwar gleichermassen im Kalkgestein Ostasturiens als auch im Silikatfelsen des Westens (ursprünglich brütete er im gesamten Kantabrischen Küstengebirge). Allerdings besiedeln die verbliebenen Brutpaare heutzutage die Kalksteinzone, da diese mehr Ruheplätze und Bruthöhlen bietet.

Was die übrige Gebirgsavifauna im Bereich der Felswände angeht, werden regelmässig Schmutzgeierpaare, Turmfalken, Schlangenadler, Bergkrähen und -dohlen, Hausrotschwanz, Felsenschwalbe und Raben beobachtet. Weniger häufig sind Wanderfalke, Schwarzmilan, Mehlschwalbe, Blaumerle, Stein- und Habichtsadler.

Der Bartgeier ist in Asturien leider seit den 60er Jahren ausgestorben und der Schmutzgeier - ein kleiner Geier mit ausgeprägtem Wandertrieb - begann in der ländlichen Gegend des Nordens selten zu werden.

Nach der Darstellung der verschiedenen Arbeitsprojekte in den vorangegangenen Kapiteln können wir nunmehr feststellen, dass wir nach diesen jahrelangen Bemühungen ein wichtiges Ziel erreicht haben: Die Stabilisierung der aasfressenden Vogelbestände.

Von einer Population von 1979 knapp 45 Gänsegeiern hat sich der Bestand bis 1991 auf über 400 Individuen erhöht. Aus neun Brutpaaren mit einem Bruterfolg von etwa 10 % wurden 80 Brutpaare mit einem Bruterfolg von 80-90 %.

Die zu erwartende Zunahme des Bestandes ist sehr gross, der jährliche Zuwachs der Geierpopulation folgt in fast geometrischer Form, da jedes Jahr eine neue Geiergeneration das für die Geschlechtsreife erforderliche Alter von vier Jahren erreicht und mit der Fortpflanzung beginnt.

Damit können wir im Endergebnis das, was wir als ein erstes Etappenziel ansehen könnten, als erreicht betrachten: Die Stabilisierung der aasfressenden Vogelpopulation. Von nun an kann daran gedacht werden, das vollständige Artenspektrum dieses Ernährungstyps wiederherzustellen, d.h. den Bartgeier wieder sesshaft zu machen, wobei hier auf Exemplare aus dem Ausland zurückgegriffen werden müsste, denn die Bartgeierpopulation in den Pirenäen ist extrem klein und daher wäre ein Entfernen von bereits flugfähigen Individuen riskant, weil dadurch die Population weiter verringert würde und so insgesamt in Gefahr geriete. Unsere Absicht ist es deshalb, 2-3 Paare wiedereinführen zu können, um sie im Bereich der Picos de Europa sesshaft zu machen, wobei nur Individuen infrage kommen, die aus wildlebenden Beständen stammen und deren Einfangen keinerlei Risiko für den Bestand bedeutet.

Das Projekt zur Wiedereinführung des Bartgeiers wird mindestens fünf Jahre dauern, es gibt also viel zu tun ... und wir setzen uns gerne uns für seine Erhaltung ein.

 

 

DIE ARBEITEN ZUR ERHALTUNG DER AASFRESSENDEN VOGELARTEN IM JAHRE 2004
 
Dieses Jahr sind wir dabei, einen neuen Futterplatz für Geier im Zentralbereich des Kantabrischen Küstengebirges innerhalb Asturiens anzulegen, um damit die einzige Geierkolonie ausserhalb der Picos de Europa zu fördern.

Diese Kolonie besteht aus etwa 60 Tieren und aus nicht mehr als einem Dutzend Brutpaaren und leidet unter den Folgen der Entfernung toter Tiere, die zur Verbrennung eingesammelt werden, anstatt sie den aasfressenden Vogelarten zu überlassen.

Der Nahrungsmangel hat bereits im Jahre 2004 den Verlust sämtlicher Küken einer der Fortpflanzungsgruppen der Kolonie verursacht.
Der FAPAS hat das Projekt zur Anlegung des Futterplatzes beantragt, das für den Futterplatz bestimmte Gelände ist bereits eingezäunt, aber noch fehlen die Genehmigungen zum Anlegen einer Zuwegung, um das Futter für die Geier mit einem Fahrzeug herbeizuschaffen.

 
AUFLASSUNG VON GEIERN
Während dieser provisorischen Phase der Funktion des Futterplatzes dient die Anlage zur Wiedereinführung des Geiers in seinen natürlichen Lebensraum.

Jedes Jahr werden einige Exemplare der Geier aufgegriffen, die wieder in die Freiheit entlassen werden müssen. Die Einrichtung des Futterplatzes auf dem Monte de los Navaliegos dient auch diesem Zweck der Wiederherstellung verletzter Geier.

 

 FAPAS